Der Master-Plan

Hallo liebe Freunde,

ich melde mich zurück aus der Versenkung – mit Neuigkeiten.

Manchmal klappen Dinge einfach. Man träumt und hofft und bangt und gibt schon beinahe wieder auf. Um am Ende fest zu stellen, dass manche Dinge einfach klappen.

So ist es mir mit meiner Master-Bewerbung für Schweden ergangen. Nach einer turbulenten Nach-Erasmus-Zeit, die mich mehr Kraft gekostet hat, als ich es erwartet hätte, habe ich mich entschlossen es mit einer Master-Bewerbung in Schweden zu versuchen. Hier die ganze Story:

Sinnkrise.

Ach ja diese Studenten. Nicht vorbereitet auf das Leben, verschult und verhätschelt. Überhaupt kaum lebensfähig, elanlos und dann auch noch dieses ERASMUS-Programm. Das Organisatorische bekommen sie doch eh alles vorgekaut und dann wird ein Semester gefeiert. Von wegen Studium. Und danach landen sie in der der Post-ERASMUS-Depression. Diese verweichlichte Jugend.

So oder so ähnlich wir bekommen wir es immer wieder von der Gesellschaft zu hören, wir plan- und ziellosen Mittzwanziger. Wir Illusionisten.

Nein – das Stichwort Sinnkrise soll hier nicht auf eine Post-ERASMUS-Depression hindeuten. Wobei auch ich dem melancholischen Durchwälzen von Bildern und den verzweifelten gegenseitigen Versicherungen man sehe sich bald wieder, auf dem ein oder anderen Kontinent, sicher nicht entgangen bin. Tatsächlich hat die Auslandserfahrung noch viel drastischere Dinge mit mir angestellt, auf die ich aber an anderer Stelle eingehen möchte. Eines sei gesagt: Sich tatsächlich mit sich selbst auseinander zu setzen ist keine leichte Übung. Dafür kann ich sicher sagen: Ich bin unendlich dankbar dafür, dazu gezwungen worden zu sein.

Sinnkrise. Jetzt aber wirklich. Zu den aufwühlenden Erlebnissen während und nach des Auslandssemesters kam zunehmend die alljährliche Sinnkrise eines (jeden?) Studenten, ob das Studium überhaupt Sinn ergeben hat, ob man fürs Leben vorbereitet ist, was man vom Leben erwartet, wohin der Weg gehen soll. Nur diesmal in verschärfter Variante. Schließlich neigte sich mein Bachelor bedenklich dem Ende zu und nach dem traumhaften Ritt durch das Erasmus-Wunderland (das mir entgegen der gängigen Meinung doch einiges abverlangt hat) klopfte nun doch unüberhörbar die Realität an.

Und jetzt? Arbeiten? Trainee? Master? Noch dazu eine Unzufriedenheit mit der Wahl des Studienfaches, die sich über die Jahre aufgestaut hatte (Anmerkung zum Zeitpunkt der Verfassung: Tatsächlich bin ich zum heutigen Zeitpunkt wieder versöhnt mit meiner Wahl). Eine Alternative musste her.

Arbeiten: Ja. Schön und Gut. Endlich mal die Speißekarte erweitern – irgendeine neue fancy Ergänzung zu den Pasta. Oder so. Und dann? Für die nächsten 50 Jahre? Oder länger – wer weiß. Der Mittzwanziger-Postmaterialist-Einhorn-Weltfrieden-Träumer in mir rebelliert. Nein. Viel zu früh, viel zu jung. Die Welt sehen. Man kennt das ja.

Also Studieren. Ich bin tatsächlich ein sehr ehrgeiziger Mensch und lerne auch wirklich gerne Neues – auch wenn ich mich hierfür häufig eher entschuldigen muss, lass ich das jetzt mal hier so stehen. Das sprach als dafür. Ohne das große Geld auskommen. Geht auch. Schon eingewöhnt, kein Problem. Ein Master also. Nur was und wo?

Auf zu neuen alten Ufern.

Kommunikation war jetzt nicht mehr das Ziel aller Träume – die Vorstellung von eine Karriere in der internen Unternehmenskommunikation eines Mittelständlers ruft minutenlanges inneres Schütteln in mir hervor. Kurz habe ich auch abgewogen, ob es doch noch ein zweiter Bachelor werden soll – Webdevelopement? Recht? – vielleicht international? Als Ingenieur könnte ich Karriere machen oder doch noch mit dem Medizinstudium anfangen? Die Realität klopft wieder, zeigt mir den Vogel und meint, dass es doch sinnvoller wäre nach Vorne zu blicken.

Also in mich kehren. Sinnkrise. Immer wieder. Dann mal der Blick auf die Gegenwart. Und dann einfach mal nach Gusto: Was interessiert mich wirklich?

Die Bewerbungsfrist in Schweden wäre mir am Ende doch fast davongelaufen, nach Monaten des philosophischen Diskurses und der Abwägung unzähligen – teils sehr kreativer – Szenarien. Am Ende hat es aber gereicht. Und nach 3 Monaten Wartezeit hat es mich unerwartet vom Hocker gehauen. Und dann nochmal als ich realisiert habe, wie schwer es werden wird eine Wohnung in Göteborg zu finden. Und dann noch einmal, als ich realisiere, dass ich mich riesig auf mein Studium freue. Nicht Astronaut, Ingenieur, Arzt oder Lama-Hirte (das war tatsächlich kurzzeitig ein Szenario mit nicht allzu schlechten Gewinnchancen) – so wie es ausschaut werde ich mich wohl eher im Beziehungsgeflecht internationaler Akteure wiederfinden. Kommunikativ und politisch.

Der Mind denkt groß und wagt, sich Hoffnungen zu machen. Die Realität bleibt friedlich, zuckt mit den Schultern und meint „Na bitte. Endlich eine Entscheidung.“ und was die ferne Zukunft bringt, kann ohnehin keiner sagen.

Die nahe bringt mich aber wohl erstmal in die schönste und coolste Stadt Schwedens: Göteborg. Im Sommer geht´s los. Auch über mein neues Abenteuer wird natürlich hier berichtet – also gerne dranbleiben 🙂

med vänliga hälsningar

Lucie

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Endlich. Schweden.

Herzlich Willkommen! Ich freue mich riesig, dass du auf meinem Schweden-Blog vorbeischaust!

Die letzten Vorbereitungen laufen – der Countdown ebenso. In sechs Wochen werde ich mal wieder ein Flugzeug besteigen, um ein neues Stückchen Erde zu erkunden. Diesmal lockt jedoch ein besonderes Abenteuer: Fünf Monate Studium und Leben in Jönköping.

Jönköping ist eine der zehn größten Städte Schwedens, gelegen in der Provinz Småland. Außerhalb Schwedens ist die Stadt wenig bekannt, auch über das Land Schweden wissen wir Deutschen in der Regel nicht allzu viel. Dafür verbinden wir so einige Clichés mit den blonden Knäckebrot-essenden Schweden, die alle bei IKEA arbeiten und ABBA lieben.

In diesem Blog möchte ich euch von meinen Schweden-Erfahrungen berichten und in der Rubrik „Typisch schwedisch?!“ auch das ein oder andere Cliché genauer unter die Lupe nehmen. Schaut gleich mal vorbei und stimmt ab, welches Cliché ich als erstes auf den Prüfstand stellen soll!

Ich halte euch auf dem Laufenden, was meinen Schweden-Aufenthalt betrifft, also schaut bald mal wieder vorbei!

med vänliga hälsningar

Lucie